Update November 2018

Seit Ende Oktober bin ich wieder in Nepal. Die Tage vergehen wie im Fluge. Jeden Tag erlebe ich viel Schönes und ich möchte Euch heute an meiner Freude teilhaben lassen.

 

Ein immer wieder wunderbares Erlebnis ist das Wiedersehen mit unseren Aasha Kindern. Auch die Wiedersehensfreude in ihren Augen berührt mich jedes Mal. Ob die strahlenden Augen mir gehören oder sie an das Schoggistängeli und den Geschenken denken? Natürlich haben sie das Schoggiständeli bekommen und als Mitbringsel ein „magic towel“. Das ist ein Waschlappen der erst durch nass machen als solches erkenntlich ist. Ich habe dazu gesagt, ich hoffe, sie denken jedes Mal wenn sie morgens das Gesicht damit waschen an ihre lieben Sponsoren und vielleicht auch ein wenig an mich!  Auch hatten sie alle Freude an den mitgebrachten Kärtli und Briefen. 

Allen Kindern geht es gut und sie machen gute Fortschritte in der Schule. Das Feedback der Lehrer ist erfreulich. Auch die Kleinen im Kindergarten geniessen das Spielen mit den vielen Gspänli.

Eine Notiz der Lehrerin im letzten Schulrapport von Prabitra bereitete mir etwas Sorgen und ich wollte dem nachgehen. Wegen des Hörproblems könne Prabitra dem Unterricht nicht gut folgen. Ich konnte mir das nicht richtig vorstellen,  da sie ja ein Hörgerät tragen müsste. Dem war aber nach meiner Nachfrage nicht so. Die Lehrerin, die Pabitra seit letztem Mai unterrichtet war sich dessen gar nicht bewusst. Pabitra bestätigte, dass sie es nicht mehr trage und fügte hinzu, ihr Mami würde die Batterien nicht kaufen. Sofort liess ich die Mutter kommen und fragte nach. Ja, es war etwas kompliziert, jeder hatte eine andere Ausrede, Hänseln unter den Klassenkameraden, komische Laute beim Tragen, die 600 NPR (6 Fr.) für die Batterien usw. Ich habe die Mutter gerügt, dass ihr Kind nicht mal 6 Franken im Monat wert sei für eine bessere Lebensqualität. Die Lehrerinnen und Schulvorsteher habe ich aufgefordert darauf zu achten, dass das Mädchen nicht geplagt wird und ich habe einen Termin in der Klinik arrangiert um die Akkustik des Geräts kontrollieren zu lassen. Mittlerweile habe ich Pabitra wieder mit Hörgerät angetroffen. Das Gerät war übrigens einwandfrei eingestellt. Die Mutter muss nun die Batterien kaufen und sie der Lehrerin übergeben, die diese dann bei Bedarf auch ersetzt. 

 

Mit Aarathi, dem Mädchen, das beim Erdbeben ihr Mami verloren hat, musste ich mich auch etwas intensiver beschäftigten. Sie ist immer noch traumatisiert vom Vorfall und aus einem fröhlichen Kind wurde ein stilles, in sich gekehrtes Mädchen. Sie freut sich aber immer ausserordentlich, wenn sie mich sieht. Ihr Vater hat wieder geheiratet und seit einem Jahr ist auch ein neues Baby im Haus. Obwohl die neue Mutter eigentlich eine herzliche Frau ist, ich habe sie kennengelernt, erhält natürlich ihr eigenes Kind mehr Aufmerksamkeit. Aarathis jüngerer Bruder, Arjyan war zum Zeitpunkt des Erdbebens noch klein und ihm wurde scheinbar gesagt, es gäbe keine neue Mutter. Die jetzige sei seine! Ich habe nicht herausbekommen, ob er das glaubt oder nicht. Aber diese beiden Geschwister haben ein grosses Glück uns zu haben. Es ist kaum vorstellbar für uns, dass diese Kinder nie in den Arm genommen werden, nie viel Wärme und Liebe spüren. Deshalb habe ich Aarathi für einen Moment spüren lassen, dass wir sie gerne haben und ich habe sie fest gedrückt. 

 

Aber, alle geben sich unendlich Mühe mit unseren Kindern und deren Schicksalen. Ich bin wirklich dankbar, dass wir mit der Mount View School und dem Schulleiter Ehepaar Rajkumar und Meena Maharjan so super zusammenarbeiten können. 

 

Ich organisierte einen Kuchentag an der Mount View School. Mit dem mir mitgegebenen Geld konnten die Kinder ein Schlemmernachmittag geniessen. DANKE! Vor lauter Freude haben sie auch eifrig „Happy Birthday Barbara“ gesungen. Kuchen gibt’s hier nur an Geburtstagen! 

 

Unser zweites Projekt in Pokhara erfüllt mich auch mit Stolz und Freude. Wir haben die Berufsschule vor etwas mehr als einem Jahr eröffnet und bis heute haben 135 Frauen den Nähkurs erfolgreich abschliessen können und 20 Frauen haben bereits das Level 2 Zertifikat erhalten. 

Ich habe einige Frauen in ihren neuen Nähateliers besucht und glückliche und strahlende Gesichter gesehen.

Mitte November hat ein neuer Kurs begonnen. Nach einem Bewerbungsgespräch wurden von den 38 Bewerberinnen 20 ausgewählt. Ich habe sie auch an ihrem ersten Schultag besucht und ihnen viel Glück gewünscht. Auch für Bäcker und Elektriker wird in den nächsten Tagen ein Lehrgang beginnen. Es ist schön zu sehen, wie unser schönes Schulgebäude mit motivierten Lernenden gefüllt wird. 

 

Im Moment arbeite hier in Pokhara an der Bauplanung der Landwirtschaftsschule. Das Land liegt in Gehdistanz zur Berufsschule, am Rande einer Bauzone. Das ermöglicht, dass die theoretischen Fächer in den Schulräumlichkeiten abzuhalten und. falls Bedarf besteht, kann später noch ein angrenzendes Stück Land dazu gepachtet werden. 

Gleichzeitig konzentrieren wir uns auf das detaillierte Ausarbeiten eines Konzeptes, wie wir die Bauern dazu anhalten können diese anspruchsvolle Arbeit zu erhalten und nicht ins Ausland zu migrieren. Auch hier werden wir einen grossen Teil unserer Arbeit auf die Frauenförderung setzen. Dazu hatte ich auch ein gutes Gespräch mit dem Agrarminister. Wir haben ihn eingeladen, sobald die Landwirtschaftsschule steht, diese zu besuchen und ihn gebeten nach Lösungen zu suchen betreffend Zusammenarbeit. Er hat uns versichert, er würde das Thema bei seiner Partei und Gremium aufnehmen. Ich hoffe jetzt natürlich sehr, dass er sein Wort hält und wir bei meinem nächsten Besuch im Frühjahr konkrete Ziele zusammen verfolgen können. Das wäre ein grosser Schritt Richtung Jugendförderung und Nachhaltigkeit. 

 

Liebe Freunde von HOPE, zusammen konnten wir einiges erreichen. Wir fördern 38 wunderbare Kinder in Kathmandu, die Dank den Patenschaften eine bessere Zukunft als ihre Familien haben werden. Bildung ist etwas vom Wichtigsten im Leben. Ich hoffe auch, dass einige unserer Aasha Kinder den Weg nach Pokhara finden werden und bei uns an der Berufsschule einen Beruf erlernen können. Für sie stehen die Türen der Asha Education and Vocational School immer offen.

 

In Pokhara haben wir Türen geöffnet für junge Leute deren Weg nicht über ein College geht. Wir stehen hier am Anfang unserer Vision. Für die Frauen haben wir schon vieles erreicht. Bei den Männern müssen wir dranbleiben. Der Drang ins Ausland zu gehen, dort mindere Arbeit verrichten und trotzdem um die 400 USD zu verdienen hängt in den Köpfen von Eltern und jungen Männern. Da muss noch ganz viel Aufklärungsarbeit geleistet werden. Ich bin überzeugt, dass wir auch diese Hürde schaffen werden und unsere Berufsschule bald auch von solchen jungen Männern besucht wird. 

 

Motivieren Sie auch Freunde und Familie an unseren Projekten Freude zu finden. Zusammen können wir ganz viel Gutes tun. Dafür bin ich hier und sorge dafür, dass alles in die richtige Richtung läuft. 

Ein herzliches Namaste und eine schöne Adventszeit 

 

Ihre Barbara Roniger

1.12.2018